Wo Kinder und Jugendliche spielen, toben und lernen, sollten keine Barrieren im Weg sein. Deshalb hat ein fünfköpfiges Expert:innen-Team von GUT GEFRAGT am 16. Juli das Jugend-Café Lurup aus Sicht von Menschen mit Behinderung untersucht. Hinterher richteten die Kinder und Jugendlichen ihre brennenden Fragen an unsere Peer-Expert:innen – erst schüchtern, dann tauten sie immer mehr auf.
Mit seinen hellen, freundlichen Räumen bietet das Jugend-Café Lurup Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 21 Jahren viele Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen. Hier können sie Kicker, Billard, Darts, Tischtennis, Playstation und Gesellschaftsspiele spielen oder einfach Musik hören, quatschen und abhängen. Die freie Jugend-Einrichtung der gemeinnützigen Movego Jugendhilfe steht natürlich auch Kindern und Jugendlichen mit Behinderung offen. Deshalb hat die Einrichtungsleitung GUT GEFRAGT damit beauftragt, den Innen- und Außenbereich auf Barrieren zu checken.
Laura Frenker-Hackfort arbeitet bei dem Träger Leben mit Behinderung Hamburg und unterstützt den Inklusionsprozess vom Juca Lurup. Sie sagt: „Mit dem Auftrag an GUT GEFRAGT wollen wir für uns blinde Flecken und unsichtbare Barrieren aufdecken. Die Ergebnisse vom Barrierefreiheits-Check stellen eine wichtige Grundlage für unsere weitere Zusammenarbeit im Inklusionsprozess mit dem Juca Lurup dar.“
Barriere-Check aus 5 Perspektiven
Wie bei all unseren Barriere-Checks von ISI.vor Ort hat unser Team das Café aus 5 Perspektiven geprüft: aus Sicht von blinden/sehbehinderten Menschen, tauben/hörbehinderten Menschen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, mobil eingeschränkten sowie neurodivergenten Menschen. 5 Peer-Expert:innen mit Behinderung sind alle Räume und den Außenbereich – begleitet und unterstützt von 2 Assistenzkräften – systematisch abgegangen.
Zu den Prüfbereichen gehörte der zentrale Raum mit Billard-Tisch, Sitz-Ecke, Versammlungstisch, Getränke- und Snack-Kiosk, angeschlossene Räume wie Werkstatt, Küche, Spiele-Lager, Chill-Raum und das barrierefreie WC. Draußen standen Fußball- und Basketballfeld, Sitzbereich und Feuerstelle auf dem Plan.
Bis zu 94 Check-Punkte
Jede:r Peer-Expert:in erfasste den Stand der Barrierefreiheit digital mit einem Tablet anhand von detaillierten Checklisten, die vorher genau auf die Örtlichkeit und die Perspektive ausgerichtet wurden. 83 bis 94 Check-Punkte galt es jeweils von den Expert:innen zu beurteilen, darunter Fragen wie
- Komme ich mit dem E-Rolli gut über die Eingangsschwelle?
- Funktioniert der Alarm im barrierefreien WC?
- Verstehe ich die Info-Plakate?
- Ist die Küche gut zu finden? Wenn nein, warum nicht?
Im Mittelpunkt stand dabei nicht, die Einhaltung von Bauvorschriften oder DIN-Normen zu überprüfen. Dem Jugend-Café geht es um die Nutzer:innen-Freundlichkeit ihrer Einrichtung: Welche Barrieren stellen sich tatsächlich Menschen mit Behinderung in den Weg?
Spannende Gesprächsrunde mit Expert:innen
Der für die Kinder und Jugendlichen spannendste Programmpunkt folgte nach dem Check. In einer gemeinsamen Gesprächsrunde stellten sich unsere Peer-Expert:innen den Fragen der jungen Nutzer:innen. Anfangs sehr schüchtern, später aber lebhafter richteten sie sich an unser Team. Gespannt hörten sie zu, als unsere Expert:innen von Barrieren in ihrer Schulzeit berichteten, die Funktionen eines E-Rollis demonstrierten und erklärten, wie sie mit Barrieren in ihrem Alltag umgehen.
Unser Peer-Experte Tim Stemler sagt: „Ich finde es gut, dass das JuCa den Barriere-Check und die Gesprächsrunde gemacht hat. Denn es ist wichtig, dass junge Leute für das Thema Barrieren und Inklusion sensibilisiert werden.“
Wertvolle Arbeit und wichtige Impulse
„Die Peer-Expert:innen bei ihrer Arbeit zu beobachten, und die Fragerunde mit den Besucher:innen waren richtige Highlights für mich“, betont Laura Frenker-Hackfort. „Ein großes Lob und Dankeschön an das Team von GUT GEFRAGT: Ihr macht richtig wertvolle Arbeit und bringt wichtige neue Impulse für uns!“
Was bei dem Barriere-Check herauskam, wird von GUT GEFRAGT nun ausgewertet. Das Jugend-Café erhält im Anschluss einen Ergebnis-Bericht sowie einen Online-Zugang zu unserem Tool kliGG, um alle Ergebnisse abrufen, filtern und auswerten zu können. Der Barriere-Check und die Austauschrunde wurde gefördert durch das Deutsche Kinderhilfswerk.
