Im Grundgesetz ist der Anspruch auf Gleichberechtigung aller Menschen verankert. Doch leider sieht die Lebenswirklichkeit anders aus: Noch immer erfahren Menschen mit Behinderung Benachteiligungen in ihrem Alltag. Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung macht darauf seit 30 Jahren aufmerksam.
In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Zukunft barrierefrei gestalten“. In Hamburg und ganz Deutschland finden am 5. Mai Aktionen, Informationsveranstaltungen und Demonstrationen statt, in denen sich Menschen mit und ohne Behinderung gegen Diskriminierung und für Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung einsetzen.
Das inklusive Team von GUT GEFRAGT deckt durch die Befragung von Menschen mit Behinderung auf, wo Barrieren bestehen und Gleichstellung noch nicht erreicht ist.
Das sagt unser Team:
„Es ist sehr schade, dass wir den Tag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung überhaupt noch brauchen! Es wäre schön, wenn es in allen Bereichen des Lebens normal wäre, dass Menschen mit Behinderung überall dabei sind.“ – Ninja Junge, Evaluatorin
„Ich möchte, dass das Wort Behinderung nicht mehr als Schimpfwort benutzt wird!“ – Niklas Oldhafer, Evaluator
„Ich wünsche mir, dass es für mich genauso einfach und unkompliziert ist wie für Menschen ohne Einschränkungen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder Veranstaltungen zu besuchen. Das würde mir viel Zeit, Nerven und Energie sparen. Ausbildungsmöglichkeiten sollten so angepasst werden, dass auch Menschen mit bestimmten Einschränkungen den Beruf ihrer Wahl erlernen können.“ – Lena Geske, Evaluatorin
„Mir ist aufgefallen, dass Menschen mit Rollstühlen und alle, die einen Fahrstuhl brauchen, bei den öffentlichen U- und S-Bahnen häufig große Probleme haben, weil die Fahrstühle oft kaputt sind. Wenn man beim HVV anruft und nachfragt, ob ein Fahrstuhl funktioniert, wird gesagt: Ja, der Fahrstuhl funktioniert. Aber das stimmt nicht immer. Ich wünsche mir, dass das anders wird!“ – Gabriele von Fehrn, Evaluatorin
„Ich würde es schön finden, wenn Busfahrer aussteigen und mit der Klappe helfen, wenn ein Rolli-Fahrer vor der Tür steht. Das passiert zu selten, meiner Meinung nach. Außerdem fordere ich: Mehr barrierefreie WCs in Restaurants und Post von Ämtern oder Ähnlichem in Leichter Sprache. Und es sollte für Menschen mit Behinderung leichter sein, einen Euroschlüssel für öffentliche Toiletten zu bekommen.“ – Marius Krogmann, Auszubildender zum Evaluator
„Ich wünsche mir, dass jeder auf die Bedürfnisse seiner Mitmenschen achtet und dass alle Menschen gleichbehandelt werden. Menschen mit Behinderung sollen mehr Möglichkeiten bei der Berufswahl haben und das arbeiten können, was sie sich vorstellen. Und sie sollen nicht unter doppelter Diskriminierung leiden. Zum Beispiel, wegen einer anderen Herkunft oder sexueller Neigungen.“ Björn Sven Mueller, Koordinator Evaluationsteam
„Mein Wunsch ist eine Welt, in der inklusiv leben und inklusiv denken das neue Normal ist. Ich möchte noch erleben, dass Inklusion kein besonderes Wort mehr ist und Vielfalt eine Bereicherung für jede:n. Das heißt, wir müssen nicht mehr extra benennen und sensibilisieren. Es sollte ganz selbstverständlich sein, dass alle Menschen mitgedacht werden und beteiligt sind.“ – Ulrike Kubatta, Assistentin
„Ich wünsche mir Respekt. Für jeden und von jedem. Im Kleinen wie im Großen. In der Partnerschaft genauso wie in der Gesellschaft. Respekt und ein Miteinander. Miteinander fühlt sich doch viel besser an als Gegeneinander. WIR ALLE für volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft!“ – Anja Schulz, Assistentin
„Ich finde es wichtig und richtig, dass Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft immer präsenter werden. Auf Social Media folge ich einer kleinen Gruppe, die Menschen mit Behinderung eine Stimme geben. Die Fragen sind immer: Was ist deine Behinderung und was wünscht du dir von deinen Mitmenschen? Häufig sind es Wünsche wie Gleichbehandlung oder mehr Geduld, wenn man etwas langsamer ist. Zu meiner Begeisterung erhalten die Beiträge viel Zuspruch und positive Kommentare. Ich wünsche mir, dass es immer selbstverständlicher wird, mit Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zusammenzuleben. Und dass das Wort behindert endstigmatisiert wird.“ – Julia Iden, Pädagogische Leitung
Aktionen zum Protesttag: Machen Sie mit!
Aktionen in Hamburg: von der Demo in Harburg bis zur Fotoausstellung in Winterhude
Protestveranstaltung von Sit'n'Skate
Aktion Kunst gegen Barrieren in Hamburg
Aktion Mensch: Übersicht über Aktionen in Deutschland
Website zum Protesttag in Berlin
